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Melanie Schirdewahn

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22. Februar 2018

Die Liebe zum Ton

Bei mir war es wie bei vielen anderen auch: Meine ersten Erfahrungen mit Ton machte ich als Kind. Wie war das schön, mit diesem weichen, geschmeidigen Zeug herumzumanschen! Schalen oder Figuren konnte man daraus formen, die dann in einem sehr heißen Ofen gebrannt wurden und anschließend hart wie Stein waren. Fantastisch! So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen! Lehm kannte ich zwar, weil ich auf dem Schulweg immer an einem großen Lehmhaufen vorbeimusste (warum der kalkhaltige weiße Lehm dort aufgetürmt lag, weiß leider ich nicht). Den konnte man auch formen, doch nach dem Trocknen zerbröckelte alles meist schnell wieder. Was Ton genau war und was der Unterschied zum Lehm war, wusste ich nicht. Aber die weiche Masse faszinierte mich.

Kommt bei mir häufig zum Einsatz: das Nudelholz für die Plattentechnik

Während des Studiums verbrachte ich ein halbes Jahr an einer dänischen Folkehøjskole (Volkshochschule). Mit unseren deutschen Erwachsenenbildungseinrichtungen hat diese Schulform aber nur wenig gemeinsam, vielmehr handelt es sich um eine Internatsschule für Erwachsene, die jeder unabhängig von seinem Bildungsgrad besuchen kann und in der man mehrere Monate lang verschiedene Kurse belegt. Man schläft, isst, feiert, lebt und lernt dort in einer engen Gemeinschaft mit anderen. Noten bekommt man keine, stattdessen geht es um persönliche Entwicklung und das Sammeln von Erfahrungen. Man kann in verschiedenste kreative Bereiche hineinschnuppern, wie Schauspiel, Fotografie, Malerei, Musik – oder auch Töpfern. Und Letzteres zog mich ganz besonders in seinen Bann. Mit viel Begeisterung saugte ich alles auf, was mit der Töpferei zu tun hatte. Den Töpferkeller mit seinem unverwechselbaren Geruch, den Werkzeugen, Glasuren und natürlich dem Ton liebte ich über alles. Manchmal floh ich auch dorthin, wenn ich ein wenig allein sein wollte und gerade kein Kurs stattfand.

Töpferwerkzeuge

In diesem Töpferkurs wurde außerdem der Grundstein für eine meiner großen Leidenschaften gelegt: die Raku-Brenntechnik. Als uns die Töpferlehrerin von dem bevorstehenden Rakubrand erzählte, verstand ich zunächst überhaupt nichts. Das lag natürlich auch daran, dass mein Dänisch damals noch nicht so ausgereift war. In ihrem Haus (die Lehrer wohnten auf dem Areal der Schule in Einfamilienhäusern) konnte ich jedoch die Ergebnisse dieses eigentümlichen Brands und das dabei entstehende Krakelee bewundern (durch starke Temperaturschwankungen beim Brand reißt die Glasur; die Risse werden durch Ruß geschwärzt und bilden eine Art Netzmuster). Das wollte ich auf jeden Fall ausprobieren! Die Keramikerin machte immer große Augen, wenn sie vom Rakubrand erzählte. Aufregend würde es werden, und man wisse nicht, ob die Töpferwerke die brandheiße Prozedur überleben würden. Ich war gespannt!

Kämme zum Aufrauen des Tons

Wir hatten einige Schalen und Ähnliches produziert, geschrüht und mit einer speziellen Rakuglasur glasiert. Dann kam der große Tag. Alles musste im Freien vonstatten gehen, denn schließlich waren reichlich Feuer und Rauch mit im Spiel. Die glasierten Rohlinge wurden in einem Rakuofen auf 1000 Grad erhitzt und dann nach und nach im Wechsel mit Sägespänen und Stroh in eine große Tonne geschichtet. Die rot glühenden Teile fingen in der Tonne sofort Feuer, die Flammen wurden allerdings bald durch weitere Sägespäne erstickt, und dicker Qualm stieg auf. Ich hatte Angst, dass meine Sachen, die weit unten in der Tonne lagen, unter dem Gewicht der vielen anderen Teile, die darüber lagen, zerbrechen würden. Doch da die Tonne abgedeckt bis zum nächsten Tag abkühlen sollte, musste ich viele Stunden warten, bis das Ergebnis sichtbar wurde. Glücklicherweise kam alles heil heraus – erst Jahre später erfuhr ich, dass es für das Schmauchen der Rakuteile durchaus andere Techniken gibt, bei denen die geliebten Töpferteile etwas schonender behandelt werden (dazu in einem anderen Blog mehr). Leider habe ich von diesem allerersten Rakubrand nur noch eine Schale in meinem Besitz, die einen festen Platz in meinem Herzen und in meiner Wohnung hat!

Meine allerallererste Rakuschale (1993)

Danach sollten viele Jahre vergehen, bis ich wieder mit der Raku-Brenntechnik in Berührung kam. Ganz in meiner Nähe liegt eine tolle kleine Töpferwerkstatt, in der ich mich seit 2008 meiner Töpferleidenschaft nach Lust und Laune hingeben kann. Zudem finden regelmäßige Raku-Workshops statt, denen ich immer aufgeregt entgegenfiebere. Ich habe so ein Glück!

Geschrühte Blumenampel-Rohlinge warten aufs Glasieren

 

 

 

Fotos: Melanie Schirdewahn

 

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  • 03.03.2018, 08:37 Uhr

    Interessant und eine Freude wieder etwas von Dir und Deinem Leben zu lesen.
    Beim Betrachten der schönen Schale musste ich an Cees Nootebooms Erzählung „Rituale“ denken, in der Philip lebenslang fasziniert ist von einer wertvollen, perfekten Raku Teeschale. Er will sie unbedingt besitzen. Nachdem er soviel Geld gespart hat, dass er sie erwerben kann nimmt er sie mit nach Hause, zertrümmert die Schale und nimmt sich selbst das Leben. Er konnte die Schale eben nur käuflich erwerben und besitzen, Deine Schale aber ist ein Teil von Dir. Ich finde sie wunderwunderschön.

    • 03.03.2018, 09:08 Uhr

      Vielen Dank für deine schönen, warmen Worte! Die Erzählung kenne ich nicht, werde nun aber mehr darüber herausfinden. Danke für die interessanten Assoziationen und Denkanstöße ?

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