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18. Oktober 2015

Strahlend trüb

Havneholmen

Vesterbro. Wir laufen durch Kødbyen (wörtlich übersetzt Fleischstadt), ein Industriegebiet für das fleischverarbeitende Gewerbe und inzwischen auch Sammelbecken für zahlreiche hippe Restaurants, Clubs und Galerien. Flachdächer, abgeblätterte Farbe, Lieferwagen, einsame Tische und Stühle, gehetzte Mittagspäusler. Der Himmel ist grau, dramatische Wolken ziehen vorüber und die Laune sinkt ein wenig in den Keller, denn perfektes Ausflugswetter sieht anders aus. Es beginnt zu nieseln, ein kräftiger Wind weht uns entgegen, aber was macht das schon, wenn man in Kopenhagen ist?

Ködbyen

Wir lassen die Fleischstadt mit ihrer riesigen Betonkuh als Logo hinter uns und kämpfen uns über die zugige Dybbølsbro Richtung Fisketorvet, einem mehrstöckigen Shopping-Center mit dem Odeur von feinem Frittenfett. Heute schnuppern wir aber lieber frische Hafenluft rund um Havneholmen, eine vor dem Fisketorvet gelegene Halbinsel. Hier sind seit Anfang der Nullerjahre viele moderne neue Gebäude entstanden. Manche schön, manche weniger schön. Glas und Beton. Erst einmal inspizieren wir aber die neue Fahrrad-Prachtstraße von Kopenhagen, die Cykelslange (Fahrradschlange). Im roten Gummigewand schlängelt sie sich am Fisketorv vorbei bis zur Byggebroen und weiter auf das Gemini-Gebäude zu – ein zum Wohnhaus umfunktioniertes Silo. Von unten gefällt mir das gewundene Ungetüm fast noch besser, wirkt es doch wie ein riesiges prähistorisches Seeungeheuer. Unwillkürlich ziehe ich den Kopf ein – man weiß ja nie.

Links von der Cykelslange liegt das Aller Huset. Hier residiert das Verlagshaus Aller Media AS, das zahlreiche Magazine – von abgeschmackten Klatschblättchen bis zu Hochglanzmagazinen – herausbringt. Ein gigantischer, spitz zulaufender Glasklotz, der aussieht wie ein Schiff, das jeden Moment in See stechen wird. In der Fassade hübsche Spiegelungen von grimmigen grauen Wolken. Aller ahoi!

Die Byggebroen – die Brücke hinüber nach Islands Brygge – muss natürlich auch noch überquert werden. Sie trennt Fußgänger und Radfahrer fein säuberlich voneinander, damit es zu keinen unliebsamen Zwischenfällen kommt, denn die Verbindung zwischen den Stadtteilen Islands Brygge und Sydhavnen ist eine viel befahrene Fahrradautobahn. Wir laufen auf das besagte Silo-Gebäude zu, der Wind peitscht uns ins Gesicht, leider ist es bis zum nächsten schönen Café aber noch weit. Da legt gerade ein Hafenbus an, hurra! Dort wärmen wir uns kurz auf und setzen den Herbstspaziergang später fort. Kopenhagen ist wundervoll – auch bei trübem Wetter.

Silo

 

Fotos: Thomas Röttgen

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  • 20.08.2016, 19:51 Uhr

    Sehr schöne Bilder! Toll!!

    • 24.08.2016, 15:39 Uhr

      Tusind tak 🙂

  • 23.08.2016, 18:01 Uhr

    Da krieg ich ja verdammt Lust auf Kopenhagen, wenn ich Deinen Text lese. Außer – natürlich – Fleischstadt???? IIIIgittt!!! Nun ja, ich denke mal, das ist lange vorbei, oder? Da kommt mir nämlich gleich der Geruch von Blut in die Nase, wie ich ihn als Kind hatte, wenn unser Metzger im Hinterhof frisch geschlachtet hatte. Einmal sollte ich für meine Mutter Rinderherz bei unserem Metzger kaufen und ich bekam ein Paket, das ganz warm war. „Frisch geschlachtet , noch warm“ war der stolze Kommentar unseres Metzgers. Ich behalte es in grausiger Erinnerung.
    Nun gut, ich denke bei Kopenhagen zuallererst an schöne Läden mit vielerlei begehrenswerten Dingen. Ich glaube, ich dürfte Kopenhagen gar nicht besuchen, ich käme mit einem LKW voller Schätze wieder nach Hause. Ich weiß ja, Du hast die Schätze eher in Deinem Kopf und in Deinem Herzen, die beeindruckende Architektur, die Sprache usw. usf. Ist besser zu transportieren und plündert die Geldreserven nicht so.
    Moni

    • 24.08.2016, 15:33 Uhr

      Mange tak, Moni! Nach Blut riecht es glücklicherweise nicht, denn geschlachtet wird dort nicht. Es wird nur Fleisch verkauft und weiterverarbeitet, aber gefühlt gibt es inzwischen mehr Szene-Läden und hippe Restaurants als Fleischhandel 😉

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